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Der Maiszünsler…und er zünselt immer weiter! I

Maiskolbenbefall

Was braucht ein Maiszünsler (Ostrinia nubilalis), um sich richtig wohl zu fühlen? Mais! Und je mehr Mais, desto lieber!

So ist es nicht verwunderlich, dass mit dem sich weiter ausbreitenden Maisanbau in den Norden und Westen Deutschlands dieser Schädling sich ebenso ausbreitet. In seinen „Stammlanden“, den langjährigen Mais-Anbaugebieten im Südwesten / Südlicher Oberrhein, fühlt er sich mittlerweile so heimisch, dass er es gleich 2mal im Jahr macht: hier gibt es seit einigen Jahren die sogenannte bivoltine Rasse, die 2 Generationen / Saison hervorbringt. Diese Rasse ist schon lange heimisch in Südeuropa, so z. B. in der Po-Ebene in Norditalien.

BIOLOGIE DES MAISZÜNSLERS

Zum Verständnis der Ausbreitung und dann v.a. zur Auswahl der optimalen Bekämpfungsmaßnahmen ist die Biologie entscheidend. Der Zünslerfalter fliegt im Sommer, je nach Jahreswitterung ab Mitte Juni oder erst im Juli, in Maisfelder, mit einem Radius von mehreren Kilometern, und legt seine Eier auf Maispflanzen (Blattunterseite) ab. Die daraus nach 10 – 14 Tagen schlüpfenden Larven nagen erst an den Blättern und bohren sich dann in den Stängel ein. Anschließend wandern sie im Stängel nach unten und überwintern als Raupe im untersten Stängelbereich, unterhalb des 1. Knotens. Unabhängig von der Folgekultur (z. B. Getreide) verpuppt sich dort die Raupe im folgenden Mai und ab Mitte Juni schlüpft daraus die nächste Faltergeneration, die dann wieder im weiteren Umkreis nach neuen Maisfeldern sucht. Somit spielt die Fruchtfolge keine direkte Rolle bei der Ausbreitung, solange nur Mais in der Umgebung wieder angebaut wird. Der Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera), ein neuer invasiver Schädling im Mais, ist dagegen (in Europa noch) auf direkte Maisfruchtfolgen angewiesen: der Käfer legt im Sommer seine Eier in den Boden von Maisfeldern und die erst im nächsten Frühjahr schlüpfenden Larven benötigen (wieder) Mais (Wurzeln) als Wirtspflanze. Somit kann dieser Schädling prinzipiell durch entsprechende Fruchtfolgen (kein Mais nach Mais) bekämpft werden.

SCHÄDEN DURCH DEN MAISZÜNSLER

Durch das Einbohren in den Stängel und den anschließenden Fraß darin knickt der Stängel vielfach unterhalb der Fahne ab. Später brechen Pflanzen auch unterhalb des Kolbens um, mit entsprechendem Ernteverlust. Im Bereich des Kolbens finden sich Fraßgänge bis in die Spindel. Die Ertragsverluste können bei starkem Befall 20 % überschreiten. Die Bohrlöcher, v. a. am Kolben, sind Eintrittspforten für diverse Krankheitserreger wie den Maisbeulenbrand und besonders Fusarium-Arten mit der einhergehenden Belastung durch Mykotoxine. Mehrere Studien zeigen auf, dass durch die effektive Bekämpfung des Zünslers der Gehalt an Mykotoxinen im Erntegut deutlich reduziert war.

MAISANBAU IN DEUTSCHLAND

Der Maisanbau in Deutschland hat sich die letzten 5 Jahre deutlich ausgeweitet, von 1.747.000 ha in 2006, bis 2.517.624 ha in 2011. Hiervon waren 477.009 ha Körnermais und 2.040.615 ha Silomais (Quelle: Deutsches Maiskomitee e.V.). Mais ist damit mittlerweile nach Winterweizen die flächenmäßig wichtigste Ackerbaukultur in Deutschland. Relativ große Zunahmen waren in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zu verzeichnen. Gründe sind die vergleichsweise (zu Getreide) sehr guten Erträge, der relativ geringe Aufwand an Produktionsmitteln (einschließlich Pflanzenschutz) und die weiter zunehmende Verfügbarkeit an entsprechend angepassten Sorten (siehe Tabelle „Pioneer Maissortiment“ Folgeseite). Vor allem aber seine Vorzüglichkeit in der Biogasverwertung hat dem Mais zu seiner hohen Popularität verholfen.

VERBREITUNG DES MAISZÜNSLERS

Während der Maiszünsler in den weltweit betrachteten Haupt-Maisanbaugebieten in den USA und Südost-Europa ein endemischer/natürlicher Schädling ist, wird sein Auftreten als Schädling in Deutschland seit etwa 1970 stärker beobachtet. In Baden-Württemberg waren es in den 70er Jahren ausschließlich Körnermais-Anbaugebiete an Rhein (Breisgau, Ortenau) und Donau, die vom Maiszünsler befallen waren; heute findet man selbst in Silomaisregionen der Höhenlagen behandlungswürdigen Befall. In den Anbaugebieten Bayerns in Unterfranken und Inntal wurde anfangs der 80er Jahre über erste Vorkommen und Schäden berichtet. Die Befallsgebiete breiteten sich von dort immer weiter aus, und mittlerweile ist Mais in ganz Bayern betroffen. Von diesen Gebieten südlich der Mainlinie (dabei auch Hessen und Rheinland-Pfalz), sowie im Osten vom Oderbruch aus, wanderte die letzten 20 Jahre der Zünsler mit dem zunehmenden Maisanbau weiter nach Norden und Westen: in alle östlichen Bundesländer: Brandenburg, Thüringen, Sachsen (seit 2000), Sachsen-Anhalt (seit 2007), sowie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen (seit 2009) und Schleswig-Holstein (2010). Zur Zeit gehen wir von einem bekämpfungswürdigen Befall von ca. 300.000 ha aus. Damit ist der Maiszünsler mit Abstand der wichtigste Schädling im Mais.

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