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Weizen-Blattdürre III

Weizen-Blattdürre (Septoria tirtici) - Resistenzsituation und Resistenzmanagemen

Bei der Planung der Fungizidstrategie gegen Septoria tritici sind einige Besonderheiten zu beachten. So ist der Einsatz bestimmter Wirkstoffe Fungizide aufgrund bestehender Resistenzen inzwischen deutlich eingeschränkt.

Pilzliche Krankheitserreger passen sich laufend an ihre Umwelt an. Eine solche Anpassung kann auch bedeuten, dass die Pilze eine teilweise oder vollständige Resistenz gegenüber Fungiziden entwickeln. Der damit einhergehende Wirkungsverlust der Pflanzenschutzmittel erfordert neben der grundsätzlichen Bekämpfungsstrategie ein gezieltes Resistenzmanagement. Hiermit soll der Entstehung einer Resistenz vorgebeugt werden oder eine bestehende Resistenz „in Schach“ gehalten werden.   

Strobilurine

Schon kurz nach der Markteinführung entwickelten sich erste Resistenzen gegenüber Strobilurinen. Der intensive und wiederholte Einsatz, auch mit stark reduzierten Aufwandmengen, hat maßgeblich zur Entstehung der Resistenz beigetragen. Verantwortlich für die Resistenz ist eine Punktmutation (G143A und F129L) am Wirkort im Pilz, die eine sofortige Resistenz gegenüber der gesamten Wirkstoffgruppe der Strobilurine zur Folge hat. In vielen bundesdeutschen Weizenanbaugebieten liegt das Vorkommen Strobilurin-resistenter Septoria-Stämme bei mehr als 50 %, in einigen Bundesländern sogar bei  80 - 100 %. Durch alleinige Anwendung von Strobilurinen kann die Weizenblattdürre daher nicht mehr sicher bekämpft werden. Zwischen den verschieden Strobilurinen besteht eine Kreuzresistenz. Das heißt: Ist ein Pilzstamm gegen ein Strobilurin resistent, dann ist er gegen alle Strobilurine resistent.

Azole

Auch gegenüber den Azolen wurde in den letzten Jahren eine Resistenzentwicklung von Septoria-Stämmen beobachtet. Im Gegensatz zur Strobilurin-Resistenz entsteht die Azol-Resistenz jedoch nicht abrupt, sondern eher schleichend. Europaweit werden in den Pilzpopulationen inzwischen vermehrt Pilz-Stämme mit unterschiedlichen Mutationen im CYP51-Protein, dem Wirkort der Azole, festgestellt. Die Zusammensetzung der Pilzpopulationen verschiebt sich immer mehr in Richtung zunehmend unempfindlicher Pilzstämme (‚Shifting’). Bei wiederholter Anwendung von Triazolen, was die übliche Praxis ist, kann man daher einen ständig abnehmenden Behandlungserfolg beobachten.

Carboxamide

Ähnlich wie die Strobilurine greifen die Carboxamide an nur einem einzigen Wirkort in der Atmungskette des Pilzes an. Der Wirkort ist aber ein anderer als bei den Strobilurinen, so dass keine Kreuzresistenz besteht. Trotz nun schon 7-jähriger Anwendung der Carboxamide im Getreide ist bisher keine Resistenz aufgetreten. Das Risiko für die Entwicklung einer Resistenz gegenüber den Carboxamiden wird daher als mittel bis hoch eingeschätzt (Strobilurine: hohes Risiko, Azole: mittleres Risiko). Um die Wirksamkeit der Carboxamide lange zu erhalten ist eine Resistenzprophylaxe unbedingt notwendig.

Chlorthalonil

Seit beinahe 50 Jahren zeigt Chlorthalonil eine nach wie vor unverändert zuverlässige und stabile Wirkung. Da Chlorthalonil an mehreren Stellen im Pilzstoffwechsel angreift ist die Gefahr einer Resistenzbildung deutlich geringer als bei anderen Wirkstoffgruppen. Chlorthalonil bietet sich daher als Mischpartner für andere Wirkstoffe an und kann bis zu zweimal in der Spritzfolge eingesetzt werden.

Strategien zum Resistenzmanagement

Um eine nachhaltige Nutzung der aktuellen Wirkstoffe und auch der neuen Gruppe der Carboxamide zu gewährleisten, sind einige wichtige Aspekte zu berücksichtigen:

  • Einzelne Wirkstoffe nie solo, sondern stets in Kombination mit einem Partner mit anderem Wirkmechanismus einsetzen.
  • Kontaktwirkstoffe wie Chlorthalonil nutzen
  • In Spritzfolgen möglichst einen Wirkstoffgruppenwechsel zwischen Strobilurinen, Azolen und Carboxamiden vornehmen.
  • Keine Doppelbehandlungen mit gleichen Wirkstoffen, insbesondere bei den Azolen.
  • Azole nicht als Standard-Wirkstoffgruppe fest einplanen sondern von Fall zu Fall entscheiden wann und wo Azole sinnvoll und notwendig sind.
  • Aufwandmengen nicht unter 80 % der empfohlenen Menge senken. Wiederholte vorbeugende Behandlungen mit stark reduzierter Aufwandmenge unbedingt vermeiden.
     

Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Verwendung stets Etikett und Produktinformation lesen. Bitte beachten Sie die Warnhinweise und -symbole in der Gebrauchsanleitung.