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Chlorthalonil - Einer der wichtigsten Fungizidwirkstoffe im Getreide I

Chlorthalonil - Einer der wichtigsten Fungizidwirkstoffe im Getreide

Chlorthalonil gehört zur Wirkstoffgruppe der Chloronitrile und ist der einzige Wirkstoff dieser Gruppe, der zum Einsatz im Pflanzenschutz zugelassen ist. In Deutschland ist der Einsatz sowohl im Getreide als auch in Kartoffeln möglich, der Einsatzschwerpunkt liegt aber im Getreide. Chlorthalonil ist ein sogenannter multi-site inhibitor, das heisst ein Wirkstoff, der an mehreren Stellen im pilzlichen Stoffwechsel angreift. Diese Wirkweise und die breite Zulassung im Getreide machen Chlorthalonil zu einem besonderen Wirkstoff, der selbst nach über 50 Jahren Anwendung nichts von seiner Wichtigkeit eingebüßt hat.

Dr. Johann Frahm erläutert die Wirkung von Chlorthalonil gegen Septoria-Infektionen

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Die Wirkungsweise von Chlorthalonil

Chlorthalonil haftet nach der Applikation fest an der Pflanzenoberfläche und bildet dort eine Schutzschicht. Dies ist auch der Grund warum Chlorthalonil ausschließlich vorbeugend wirkt. Es ist also wichtig, dass diese Schutzschicht vor oder bei Befallsbeginn bereits auf der Pflanzenoberfläche aufgebracht ist. Nach der Applikation hilft Chlorthalonil sehr effektiv die Infektion der Pflanze mit Schadpilzen wie Septoria-Arten oder Ramularia collo-cygni zu verhindern. Weiterhin wird vermutet, dass die Schutzschicht auch einen gewissen Schutz vor starker Lichteinstrahlung bietet und somit einen wichtigen abiotischen Stressfaktor für die Pflanze reduzieren kann.

Chlorthalonil zeigt eine besondere Stärke gegen die Erreger Septoria tritici und Septoria nodorum im Weizen sowie gegen Ramularia collo-cygni (Erreger des Blattfleckenkomplexes) in der Gerste.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Fungizidwirkstoffen greift Chlorthalonil nicht an einem einzigen Wirkort in der pilzlichen Zelle an, sondern ist ein sogenannter multi-site inhibitor, der an vielen verschiedenen Stellen des pilzlichen Stoffwechsels eingreift. Chlorthalonil reagiert mit den Thiol-Gruppen von Glutathion, Coenzym A und verschiedenen Enzymen. Dadurch wird der pilzliche Stoffwechsel an vielen Stellen gleichzeitig gehemmt bzw. unterbrochen. Dies hat eine Hemmung der Sporenkeimung zur Folge wodurch weitere Infektionen verhindert werden können. Durch die besondere Wirkweise von Chlorthalonil und die starke vorbeugende Wirkung gegen bestimmte Krankheitserreger kann Chlorthalonil sowohl im Weizen als auch in der Gerste sinnvoll eingesetzt werden.

Der Einsatz von Chlorthalonil im Weizen

Der Einsatz von Chlorthalonil im Weizen erfolgt zur Bekämpfung der Septoria-Blattdürre und zum Resistenzmanagement für andere Wirkstoffgruppen. Die Voraussetzung, um Chlorthalonil möglichst effektiv einzusetzen, ist ein grundsätzliches Verständnis der Epidemiologie von S. tritici im Weizen.

Epidemiologie von Septoria tritici

Die Zeit zwischen der Ernte der Vorfrucht und der Aussaat des Weizens überdauert der Pilz auf Stroh und Blattresten. Hier bildet der Pilz Sporen, die bei hoher Luftfeuchtigkeit ausgeschleudert werden und mit dem Wind – auch über größere Distanzen – auf die jungen Weizenpflanzen getragen werden. Wenn die Sporen auf den Weizenblättern landen und eine ausreichend lange Blattfeuchte vorliegt, keimen die Sporen aus und infizieren die Pflanzen. Diese Erstinfektion kann schon im Spätherbst und Winter aber auch später im Frühjahr stattfinden.

Nach erfolgreicher Erstinfektion breitet sich der Pilz im befallenen Blatt aus und die typischen Symptome – zunächst gelb-grüne Aufhellungen die zu grau-braunen, später zusammenlaufenden Blattflecken werden – bilden sich aus. Etwa 3 – 4 Wochen nach der Infektion bildet der Pilz in den Blattflecken schwarze Fruchtkörper, die Pyknidien, in denen massenhaft die sogenannten Pyknosporen gebildet werden. Wenn jetzt Regentropfen auf die Pyknidien treffen, werden die reifen Sporen ausgeschleudert und gelangen so auf benachbarte oder höhergelegene Blätter, wo eine erneute Infektion stattfinden kann. Der Pilz ist so in der Lage auch die ertragsrelevanten oberen Blattetagen zu erreichen. Dieser Infektionszyklus kann sich mehrere Male in der Vegetationsperiode wiederholen.

Strategie zum Einsatz von Chlorthalonil gegen Septoria tritici

Chlorthalonil wirkt rein vorbeugend und bildet auf der Oberfläche der behandelten Blätter eine Schutzschicht. Solange sich Chlorthalonil auf dem Blatt befindet können die Sporen von S. tritici dort nicht auskeimen. Aufgrund dieser Wirkungsweise kann Chlorthalonil im Weizen zu zwei Terminen sinnvoll eingesetzt werden.

Bei starkem Ausgangsbefall (Herbst- und Winterinfektion und milder, „grüner“ Winter) und befallsfördernder Witterung (regelmäßige Niederschläge in März und April) ist ein früher Einsatz von Chlorthalonil zum klassischen T1-Termin (BBCH 31/32) sinnvoll. So hilft die Chlorthalonil-Schutzschicht eine Erstinfektion der jungen Weizenpflanzen mit S. tritici bzw. eine frühe Ausbreitung der Infektion ausgehend von schon erfolgten Winterinfektionen zu verhindern. Da die Pflanze in diesem Stadium schnell wächst, werden bald neue Blätter ohne Schutzschicht vorhanden sein. Eine weitere Behandlung mit Chlorthalonil zu Stadium BBCH 37/39, wenn der gesamte Blattapparat entwickelt ist, ist daher sinnvoll. Somit werden auch die ertragsrelevanten Blattetagen effektiv vor Infektionen geschützt.

Lesen Sie weiter Chlortalonil - Wichtiger Fungizidwirkstoff im Getreide II

 

Dr. Norbert Schlang, DuPont Pflanzenschutz Deutschland

Der Artikel wurde unter Verwendung von externen Quellen verfasst. Eine Aufstellung der Quellen kann bei Bedarf bei DuPont angefordert werden. Wir danken Dr. Johann Frahm und Dr. Michael Heß für die freundliche Unterstützung bei der Erstellung dieses Artikels.

Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Verwendung stets Etikett und Produktinformation lesen. Bitte beachten Sie die Warnhinweise und -symbole in der Gebrauchsanleitung.