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Chlorthalonil - Einer der wichtigsten Fungizidwirkstoffe im Getreide II

Chlorthalonil - Einer der wichtigsten Fungizidwirkstoffe im Getreide II

Dr. Michael Heß erläutert die Wirkung von Chlorthalonil zur Bekämpfung von Ramularia collo-cygni

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Epidemiologie des Blattfleckenkomplexes der Gerste

Das Krankheitsbild des Blattfleckenkomplexes ist nicht nur auf das Wirken eines Erregers zurückzuführen. Neben biotischen spielen auch abiotische Faktoren eine wichtige Rolle und bestimmen die Ausprägung der Symptome maßgeblich. Die biotische Ursache des Blattfleckenkomplexes ist der Pilz Ramularia collo-cygni.

Für die Erstinfektion der Gerstenpflanzen mit R. collo-cygni werden zwei verschiedene Wege diskutiert: a) bereits infizierte Gerstenkörner, aus denen sich der Pilz nach der Keimung innerhalb der Pflanze ausbreitet und b) die Infektion durch windverbreitete Sporen, die auf anderen Wirten wie Ausfallgerste oder Ungräsern gebildet wurden.

Nach der Erstinfektion verläuft die Entwicklung des Pilzes in der Pflanze weitestgehend symptomlos. Auf den unteren Blattetagen können zwar Symptome sichtbar sein, neugebildete Blätter aber zeigen in der Regel keine Symptome. Die Infektion in den neugebildeten Blättern ist also mit dem bloßen Auge nicht erkennbar, der Pilz kann aber durch molekularbiologische Verfahren nachgewiesen werden.

Trotz der fehlenden Symptome ist der Pilz in dieser Zeit nicht inaktiv. Während der symptomlosen Entwicklung bildet der Pilz licht-aktivierte Toxine, die Rubelline. Kommt es nun in späteren Entwicklungsstadien der Pflanze zu einer erhöhten Einstrahlung, besonders auf den oberen Blattetagen, so werden die Rubelline aktiviert und bilden reaktive Sauerstoffspezies („Sauerstoffradikale“). Diese zerstören innerhalb kurzer Zeit die Zellen in den Blättern und führen zu den typischen Sprenkelflecken und dem nachfolgenden schnellen Absterben der befallenen Blätter.

Auf den infizierten Blättern bildet der Pilz Sporen über die sich die Krankheit ausbreiten kann und somit z. B. auch benachbarte Gerstenschläge infizieren kann.

Strategie zum Einsatz von Chlorthalonil gegen den Blattfleckenkomplex der Gerste

Wie beim Einsatz von Chlorthalonil im Weizen muss auch in der Gerste die Behandlung vorbeugend erfolgen. Der Blattfleckenkomplex tritt erst relativ spät in der Entwicklung der Gerste auf (ab ca. Ährenschieben). Eine vorbeugende Behandlung mit Chlorthalonil sollte möglichst zeitnah vor Erscheinen der Symptome erfolgen. Sehr gute Erfolge erzielt man in der Regel bei späten Applikationen Ramularia-wirksamer Fungizide ab BBCH 49 (Grannenspitzen). Zu diesem Zeitpunkt ist es für eine erfolgreiche Bekämpfung anderer Krankheiten wie Netzflecken und Rhynchosporium jedoch bereits zu spät. Daher sollte in Gebieten, in denen mit dem Auftreten von Ramularia gerechnet werden muss, eine 2-malige Behandlung der Gerste durchgeführt werden. Zur T1 (BBCH 31/32) hält eine Fungizidanwendung gegen die Standardkrankheiten den Bestand gesund. Eine Anschlussbehandlung zur T2 (ab ca. BBCH 49) mit Chlorthalonil-haltigen Produkten evtl. in Kombination mit einem weiteren Ramularia-wirksamen Wirkstoff rundet die Behandlung ab und schützt vor späten Ertragsverlusten durch den Blattfleckenkomplex.

Chlorthalonil als Baustein im Resistenzmanagement

Bei der Bekämpfung pilzlicher Schaderreger besteht immer das Risiko, dass diese eine Resistenz gegenüber den eingesetzten Fungiziden ausbilden. Dieses Risiko ist besonders hoch bei Wirkstoffen, die an nur einem Wirkort angreifen wie Strobilurinen und Carboxamiden, aber auch Triazolen.

Für die beiden Schadpilze S. tritici und R. collo-cygni ist die Resistenzentwicklung gegenüber den Strobilurinen schon weit fortgeschritten. So lassen sich beide Pilze mit Strobilurinen nicht mehr sicher bekämpfen. Trotzdem ist der Einsatz von Strobilurinen weiterhin sinnvoll, da diese eine Vielzahl anderer Krankheiten wie Roste, Netzflecken und Rhynchosporium-Blattflecken sehr gut und sicher bekämpfen.

Für S. tritici lässt sich in den letzten Jahren vermehrt auch die Entwicklung von Resistenzen gegenüber den Triazolen beobachten. Der zu Grunde liegende Resistenzmechanismus ist aber ein anderer als bei den Strobilurinen und die Resistenzentwicklung daher auch nicht abrupt sondern eher schleichend (sog. „shifting“). Durch häufige und wiederholte Nutzung von Triazolen schreitet die Ausbreitung der Resistenz jedoch voran und lässt sich mittlerweile im Feld beobachten. Gegenüber R. collo-cygni sind die Azole weiterhin voll wirksam. Hier ist aber ein vorbeugendes Resistenzmanagement wichtig um die Wirksamkeit zu erhalten. Dasselbe gilt für die Carboxamide. Für diese Wirkstoffgruppe wurde bisher zwar keine Resistenzentwicklung der Pathogene S. tritici und R. collo-cygni beobachtet, das Risiko wird allerdings als relativ hoch eingeschätzt. Ein vorbeugendes Resistenzmanagement ist daher sehr wichtig um die Wirksamkeit dieser Wirkstoffgruppe lange zu erhalten.

Demgegenüber ist das Risiko einer Resistenzbildung gegenüber dem multi-site inhibitor Chlorthalonil naturgemäß sehr gering. So ist trotz intensiven Einsatzes von Chlorthalonil in den letzten Jahrzehnten kein Fall von Resistenz gegenüber diesem Wirkstoff aufgetreten.

Durch den konsequenten Einsatz von Chlorthalonil werden somit die anderen Wirkstoffgruppen entlastet. Die Entstehung einer Resistenz wird verhindert oder deutlich hinausgezögert, da Pilzstämme, die eventuell eine Resistenz gegenüber einer anderen Wirkstoffgruppe entwickelt haben, durch Chlorthalonil sicher bekämpft werden und sich nicht weiter ausbreiten können.

Zusammenfassung

  • Chlorthalonil hat eine sehr starke vorbeugende Wirkung gegenüber Septoria tritici und Ramularia collo-cygni
  • Chlorthalonil ist ein sogenannter multi-site inhibitor; das Risiko einer Resistenzentwicklung ist sehr gering, die Wirkung ist sichergestellt
  • Chlorthalonil kann damit andere Wirkstoffklassen unterstützen und schützen
  • Chlorthalonil sollte in jeder Fungizidstrategie in Weizen und Gerste eingeplant werden

 

Dr. Norbert Schlang, DuPont Pflanzenschutz Deutschland

Der Artikel wurde unter Verwendung von externen Quellen verfasst. Eine Aufstellung der Quellen kann bei Bedarf bei DuPont angefordert werden. Wir danken Dr. Johann Frahm und Dr. Michael Heß für die freundliche Unterstützung bei der Erstellung dieses Artikels.

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