Diskussionsrunde um Aufbrechen und das Verhältnis von Kosten und Tragedauer

DuPont lud zu einem Runden Tisch am Hauptsitz des Nottinghamshire Fire & Rescue Service, um den Austausch zu aktuellen Fragen zu persönlicher Schutzausrüstung für Feuerwehren zu fördern.

Ziel des von DuPont ins Leben gerufenen Runden Tisches war die Anregung einer Diskussion über persönliche Schutzausrüstung (PSA), um Feuerwehrleuten die Bedeutung von Schutzausrüstung zu erklären und bei der Auswahl zu unterstützen.

Die Runde setzte sich zusammen aus Mitarbeitern führender Faserhersteller, Webereien und Bekleidungsherstellern sowie Branddirektoren. Die Teilnehmer beantworteten Fragen von Lesern der „Fire Times“ zu drei Themenbereichen: Hitzestress, Aufbrechen und Verhältnis von Kosten zu Tragedauer.

Der hier dokumentierte zweite Teil des Runden Tisches befasst sich mit den aktuellen Fragen zum Aufbrechen und dem Verhältnis von Kosten zu Tragedauer.

Die Podiumsteilnehmer waren:

  • Frank Swan (FS), Branddirektor bei Nottinghamshire Fire & Rescue Service
  • Gary Philips (GP), Stellvertretender Branddirektor bei Warwickshire Fire & Rescue Service
  • Mark Drysdale (MD), Kaufmännischer Leiter des Bereichs Schutzkleidungsgewebe bei Heathcoat Fabrics
  • Symon Clifford (SC), Branddirektor bei Bristol Airport Fire Department
  • Charlotte Brandt (CB), Vertriebsmanager bei Hainsworth
  • Richard Ballheimer (RB), Service Delivery Manager bei Lion Apparel
  • Zoltan Nahoczky (ZN), Marketing-Manager bei DuPont Protection Technologies
  • Ian Mitchell (IM), Geschäftsführer, Bristol Uniforms
  • Anthony Norbury (S1), pensionierter Brandmeister, Moderator der Diskussionsrunde
  • George Farenden, Berater bei DuPont
  • David Holden, Fire Times

Runder Tisch in Nottinghamshire, Teil 2: Aufbrechen und das Verhältnis von Kosten und Tragedauer

S1     Wenden wir uns dem Thema „Aufbrechen“ zu. Mit diesem Begriff wird das Verhalten von Nomex® bei Exposition gegenüber Feuer beschrieben. Das Gewebe reagiert: es verkohlt, schrumpft und quillt auf, während es die Hitze absorbiert. Dies hält die Hitze zurück und schützt den Feuerwehrmann vor Verbrennungen. Dieser Prozess kann mit der Bauweise moderner Autos verglichen werden: Dort nehmen bestimmte Bauteile die hohe Energie bei einem Aufprall auf und versagen, um die Insassen zu schützen. Dieses Merkmal wird häufig falsch verstanden und falsch wiedergegeben, da es tatsächlich eine lebensrettende Funktion hat.

CB    Wenn Nomex® verkohlt, absorbiert es die Hitze. Durch Hitzeeinwirkung entsteht also eine wirksame Isolationsbarriere. Das Verhalten der Faser verhindert also, dass die Hitze die Schutzkleidung durchdringt. Wenn keine isolierende Kohleschicht gebildet wird, wohin geht die Hitze dann? Zudem wird die verkohlte Schicht erst beim Abkühlen brüchig und instabil. In Bezug auf die Schutzwirkung ist dies meiner Meinung nach eine sehr interessante Methode, um die Hitze in einem Kleidungsstück zurückzuhalten und ihr Durchdringen zum Träger zu verhindern. Daher würde ich es als Vorteil und nicht als Nachteil von Schutzausrüstung bewerten.

ZN    Der Vorgang hat einen Zeitaspekt. Anfangs trifft eine große Hitzeentwicklung auf das Gewebe, das flexibel und physisch intakt bleibt. Erst während des Abkühlens beginnt es zu brechen. Zu diesem Zeitpunkt sollten die Träger das Kleidungsstück bereits ausgezogen haben, sobald sie sich außerhalb des Gefahrenbereichs befinden, da ansonsten die in der Kleidung gespeicherte Energie den Feuerwehrleuten Verbrennungen zufügen würde.

CB    Hat es denn in der Praxis jemals Probleme mit Aufbrechen gegeben?

FS     Meines Wissens nicht. Es ist sehr einfach. Wir müssen der Technologie vertrauen und bei der Auswahl unsere PSA eine möglichst robuste Lösung finden.

GP    Ich kann definitiv nicht von irgendwelchen Problemen berichten.

CB    Nein. Ich würde sagen, dass „Aufbrechen“ ein sehr emotionales Thema ist. Es kann sehr leicht geschehen, dass die Vorgänge unter Labor- und Testbedingungen falsch verstanden werden. Der tatsächliche Test findet jedoch in der Praxis statt, und für die Leute, die die Schutzkleidung tragen, ist es kein Problem, es tritt nicht auf.

FS     Vermutlich ist der Begriff „Aufbrechen“ in diesem Zusammenhang ungünstig gewählt. Er erweckt den Anschein, als ob das gesamte Kleidungsstück klaffende Löcher aufweisen würde, was natürlich nicht der Fall ist. Es bietet immer noch einen gewissen Hitzeschutz. Die Merkmale von Nomex® und dieser Verkohlungseffekt nehmen die Hitze auf und verhindern, dass sie weiter durch das Kleidungsstück gelangen.

CB    Sie neutralisieren sie.

FS     In diesem Sinn erfüllt das Gewebe also seinen Zweck. Später beim Abkühlen bricht es dann, aber man bleibt nicht länger als nötig in einer Gefahrensituation, man zieht sich so schnell wie möglich zurück und legt den Schutzanzug ab.

S1     Die Frage lautet doch: „Ist ein Aufbrechen jemals bei der britischen Feuerwehr oder den Flughafenfeuerwehren aufgetreten?“

RB    Für die zehn Jahre, die ich nun bei Lion arbeite, kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich von keinem einzigen Fall von Aufbrechen bei einem Kleidungsstück gehört habe, nicht von einem einzigen.

S1     Unsere erste Frage kommt von Brett Egan, Development Manager, Operation and Assets beim Kent Fire and Rescue Service: „Aufbrechen ist ein physisches Merkmal von Meta-Aramidmaterialien und man kann darüber streiten, ob es sich um eine lebensrettende Funktion handelt. Wenn ein Kleidungsstück nach Exposition gegenüber Feuer aufbricht, befindet sich der Träger vermutlich noch im Risikobereich. Wie groß ist die Verringerung der Schutzleistung, die dadurch verursacht wird?“

CB    Das ist die übliche Verwechslung von Verkohlen und Aufbrechen. Das Verkohlen findet mit der Absorption von Hitzeenergie statt. Aufbrechen wiederum kann auftreten, wenn das Gewebe abkühlt und bewegt wird, da es dann brüchig wird. Aufbrechen und Verkohlen sind also unterschiedliche Phänomene und folgen nicht zwingend aufeinander. So tritt beispielsweise ein Aufbrechen nicht in heißer Umgebung auf.

ZN    Ein Verkohlen findet statt, wenn das Meta-Aramid die Hitze aufnimmt und die Temperatur auf 400 bis 500 Grad oder mehr ansteigt. Das Gewebe bleibt warm und biegsam, aber man kann das Aufquellen beobachten. Man braucht wesentlich mehr Energie, da das Gewebe selbst Hitze verbraucht und dabei seine Molekularstruktur umwandelt - das ist das Verkohlen. Anschließend beim Abkühlen kann das Kleidungsstück brechen. Dies sind die beiden wesentlichen Schritte in einem Vorgang, der nur das Obermaterial betrifft.

MD    Der Begriff „Aufbrechen“ wird allgemein verwendet, und man muss vielleicht einfach festhalten, dass er je nach Situation und Sprecher unterschiedlich verstanden wird. DuPont verwendet den Begriff „Aufbrechen“ in seinen Richtlinien zur Verwendung von Nomex®. Der Mischung wird ein wenig Kevlar® zugegeben, um das Gewebe im Vergleich zu rein aus Nomex® gefertigtem Material zu verstärken und den Umfang des Aufbrechens zu minimieren.

S1     Ich würde vorschlagen, jetzt zur Diskussion von Anschaffungskosten gegenüber Tragedauer überzugehen. Wie wichtig ist das heute wirklich für eine Feuerwehr? Man hört ständig Berichte, dass alle Feuerwehren unabhängig von Größe und Standort mit deutlich spürbaren Mittelkürzungen zurechtkommen müssen, und die Anschaffung von Einsatzkleidung ist vermutlich einer der teuersten Posten. Ist es jedoch besser, beim Einkauf eine kluge Wahl zu treffen und dann über die längere Tragedauer der Anzüge langfristig Geld zu sparen? Manche Feuerwehren achten bei der Anschaffung von Schutzkleidung vor allem auf Konformität mit EN 469, aber sorgen eine stark wettbewerbsorientierte Preisgestaltung und auf die gesamte Tragedauer gerechnet niedrigere Kosten hier für Verwirrung?

GP    Ich möchte die Ausrüstung, die den bestmöglichen Schutz für meine Feuerwehrleute bietet, weil ihre Sicherheit oberste Priorität hat. Wir sind mit Budgetkürzungen konfrontiert, aber dennoch bleibt die Sicherheit der Feuerwehrleute der wichtigste Punkt; davon ausgehend würde ich dafür sorgen, dass wir die besten Schutzanzüge kaufen und sie den besten Schutz erhalten. Wenn dann im Hinblick auf das Budget noch das beste Preis-Leistungs-Verhältnis herausspringt, ist das großartig.

RB    Die Anschaffungskosten sind ein Punkt, aber wenn man etwas mit einer guten Schutzwirkung bei geringer Tragedauer kauft, muss man möglicherweise zwei oder drei Mal nachkaufen, während man mit sorgfältiger Pflege und Instandhaltung die Tragedauer verlängern kann.

FS     Es ist eine schwierige Frage, aber wenn ich Einkäufer bei einer Feuerwehr wäre, würde ich natürlich auf die auf die gesamte Tragedauer bezogenen Kosten achten, weil dies ein grundlegender Aspekt ist. Die Anschaffungskosten sind aber nur ein Aspekt: Wenn man von einer Tragedauer von acht Jahren ausgeht, werden in dieser Zeit einige Neuerungen auf den Markt kommen, was man auch in die Überlegungen einbeziehen muss. Wesentlich ist hier, dass die Anschaffung von Einsatzkleidung einer unserer größten Ausgabenposten ist. Unsere Feuerwehr bewegt sich von der Größe her im Mittelfeld, und beim letzten Mal lagen unsere Beschaffungskosten bei knapp £1.000.000. Wir bemühen uns also, die Tragedauer unserer Schutzkleidung durch besonders sorgfältige Reinigung und Pflege zu verlängern. Wir können bei der Auswahl der besten Option die Kosten über die Gesamtlebensdauer einbeziehen, aber wir werden sicherlich den Entscheidungsprozess nicht vom Kostenaspekt her beginnen. Wir fangen damit an, die unserer Einschätzung nach bestmögliche PSA für unsere Leute auszuwählen, und sehen uns dann die Kosten an. In erster Linie zählt der Sicherheitsaspekt.

ZN    Wenn Einsatzkleidung robuster ist, hält sie logischerweise länger. An diesem Punkt ist die Mischung aus dem Para-Aramid Kevlar® und dem Meta-Aramid Nomex® wichtig. Im Hinblick auf die Abriebfestigkeit ist es so: je mehr Kevlar® oder Para-Aramid einem Gewebe zur Verbesserung der Reißfestigkeit beigemischt wird, desto geringer wird seine Abriebfestigkeit, was die Gesamtlebensdauer verkürzt. Deshalb empfehlen wir, die Kevlar® Beimischung niedrig bis mäßig zu halten und so sicherzustellen, dass die Kleidung länger verwendbar ist und die Kosten über den Gesamtlebenszyklus vertretbar bleiben. Kevlar® kann die Festigkeit stark erhöhen, aber seine Leistung in Sachen Abriebfestigkeit kann kontraproduktiv sein, wenn es in hoher Konzentration in gewebte Materialien integriert wird. Aus diesem Grund kann Nomex® wirklich zu größerer Robustheit beitragen. Bekleidungshersteller und Webereien sind derzeit sehr innovativ; sie können Nomex® und Kevlar® Fasern kombinieren und neue Webtechnologien entwickeln, neue Designkonzepte ausarbeiten und Verbesserungen an den Pflegeverfahren vornehmen, um die Lebensdauer eines Kleidungsstücks zu erhöhen.

FS     Neuerungen und Verbesserungen bedeuten nicht, dass das, was man hat, dadurch schlecht wird.

S1     Ganz genau. Ich denke, dass die Betonung hier eher auf „Evolution“ und nicht auf „Revolution“ liegen sollte, und das muss herausgestrichen werden, um einer Menge Branddirektoren und anderen Managern von Feuerwehren die Sorge zu nehmen, dass sie in naher Zukunft hinter Dingen her sein werden, die Unsummen von Geld kosten.

Klicken Sie hier, um Teil 1 zu lesen, der sich mit der Diskussion um Hitzestress befasst